Du ernährst dich eigentlich ganz vernünftig. Trotzdem fühlst du dich oft erschöpft, deine Haare werden dünner und manchmal bist du schon nach dem Treppensteigen aus der Puste. Beim Arzt hieß es vielleicht: „Ihre Schilddrüsenwerte sind in Ordnung.“ Aber dein Eisenspeicher – also dein Ferritin – wurde womöglich gar nicht angeschaut.
Damit bist du nicht allein. Gerade Mütter haben überdurchschnittlich oft niedrige Eisenspeicher. Und das hat handfeste Gründe: die monatliche Periode, eine Schwangerschaft und Geburt, das Stillen und ein Alltag, in dem die eigene Ernährung oft zwischen Kinderportionen und schnellem Mittagessen untergeht.
Warum Eisen für deine Schilddrüse so wichtig ist
Eisen ist nicht irgendein Nährstoff am Rande. Deine Schilddrüse braucht es ganz direkt, um Hormone zu bilden. Das Enzym, das dabei eine zentrale Rolle spielt, funktioniert nur mit Eisen. Fehlt es, kann die Hormonproduktion ins Stocken geraten.
Das Tückische daran: Ein niedriger Eisenspeicher fühlt sich oft genauso an wie eine Unterfunktion. Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Haarausfall und auch Frieren. Du kannst dich also wie „im falschen Körper“ fühlen, obwohl TSH, fT3 und fT4 unauffällig aussehen. Deshalb gehört Ferritin bei anhaltender Erschöpfung mit auf den Zettel.
Nicht jedes Eisen ist gleich
Beim Eisen in Lebensmitteln gibt es zwei Formen und sie unterscheiden sich deutlich darin, wie gut dein Körper sie aufnimmt.
Häm-Eisen steckt in tierischen Lebensmitteln. Es ist gut verfügbar und dein Körper nimmt einen vergleichsweise hohen Anteil auf.
Nicht-Häm-Eisen steckt in pflanzlichen Quellen. Davon nimmt dein Körper von Natur aus weniger auf. Mit den richtigen Kombinationen lässt sich das aber deutlich verbessern (dazu gleich mehr).
Der entscheidende Punkt: die Aufnahme
Ich möchte jurz einen Punkt ansprechen, den die meisten Listen mit „eisenreichen Lebensmitteln“ auslassen. Es reicht nicht, Eisen zu essen. Dein Körper muss es auch aufnehmen können und das kannst du aktiv beeinflussen.
Vitamin C ist dein Verstärker. Es hilft deinem Körper, vor allem das pflanzliche Eisen besser aufzunehmen. Ein Spritzer Zitrone über die Linsen, Paprika in der Pfanne oder auch ein paar Beeren ins Porridge – das macht einen echten Unterschied.
Kaffee sowie schwarzer und grüner Tee bremsen. Die enthaltenen Gerbstoffe binden Eisen und vermindern die Aufnahme. Auch große Mengen Milch und Milchprodukte (durch das Calcium) beeinflussen zusätzlich die aufgenommene Menge. Mein Tipp: Lass zwischen der eisenreichen Mahlzeit und deinem Kaffee oder Tee etwa eine Stunde Abstand.
Spinat ist überschätzt. Ja, Spinat enthält Eisen, aber auch Oxalsäure, die das Eisen ebenfalls bindet, sodass du das bisschen noch weniger aufnimmst. Als alleinige Eisenquelle taugt er also kaum. (Der Popeye-Mythos hält sich erstaunlich hartnäckig.)
Warum du deinen Eisenwert kennen solltest
Gerade bei Frauen ist der Eisenspeicher selten von allein im wirklich guten Bereich. Periode, Schwangerschaften und ein voller Alltag zehren über Jahre daran. Die spannende Frage ist deshalb meist nicht „Habe ich vielleicht zu viel?“, sondern: Wie weit unten stehe ich und wie viel fehlt mir zu einem guten Wert?
Genau dafür lohnt sich der Blick auf dein Ferritin, bevor du etwas änderst. Erst wenn du deinen Ausgangswert kennst, siehst du, wie groß die Lücke wirklich ist und kannst in Ruhe entscheiden: Reicht es, gezielt über die Ernährung nachzusteuern? Oder ist der Speicher so leer, dass zusätzlich ein Präparat sinnvoll ist? Ohne den Wert kochst und kaufst du im Blindflug.
Warum sich Messen vor dem Nachsteuern lohnt, habe ich hier beschrieben: Ferritin bei 18 und alles normal?.
Welche Werte du außerdem im Blick haben solltest und wie du sie beim Arzt ansprichst, zeigt dir mein Schilddrüsenwerte Starterpaket Schritt für Schritt.
Es geht nicht darum, möglichst viel Eisen zu essen, sondern das Eisen aufzunehmen, das du isst.
Wie du eisenreiche Mahlzeiten ohne großen Aufwand in deinen Familienalltag bringst, zeige ich dir im nächsten Beitrag mit 5 konkreten Rezepten: Eisenreiche Rezepte für den Familienalltag.
Dieser Beitrag dient deiner Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Beratung. Veränderungen an Medikamenten oder die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln besprichst du am besten mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.



