Vitamin D im Winter: Warum du schon im Herbst messen solltest

Okt. 17, 2026

Sobald es draußen dunkler wird, ist Vitamin D plötzlich überall. Eine Freundin schwört auf ihre Vitamin-D-Tropfen und wie viel besser sie sich damit fühlt. In deinem Feed empfiehlt jemand 5.000 Einheiten am Tag, jemand anders warnt vor Überdosierung. Aber brauchst du Vitamin D im Winter überhaupt? Und wenn ja, wie viel?

In diesem Beitrag zeige ich dir, warum die Sonne in den dunklen Monaten nicht mehr reicht, warum gerade der Herbst der beste Zeitpunkt zum Messen ist und wie du deinen Wert richtig einordnest.

Vitamin D ist etwas Besonderes, denn der Großteil davon stellt dein Körper selbst her. Ca. 80-90% wird mithilfe von UVB-Licht in der Haut gebildet. Über das Essen kommt nur ein kleiner Teil, daher spielt es nur eine untergeordnete Rolle. Soweit, so gut.

Das Problem daran ist, dass in Deutschland die Sonne ungefähr von Oktober bis März so tief steht, dass kaum noch UVB-Strahlung bei uns ankommt. Selbst wenn du mittags spazieren gehst, bildet deine Haut in dieser Zeit deutlich weniger Vitamin D.

Dazu kommt der ganz normale Familienalltag. Morgens im Dunkeln geht es zur Arbeit oder Kindergarten los. Tagsüber sitzt du nur drinnen, nachmittags geht es dick eingepackt vielleicht auf den Spielplatz. Selbst im Sommer kommt bei vielen Müttern weniger Sonne auf die Haut, als man denkt.

Wie dein Körper Vitamin D bildet

Ich möchte an dieser Stelle dir keine komplizierte Grafik erläutern, sondern nur kurz erklären, wie Vitamin D gebildet wird. Der Weg in drei Schritten:

  1. Haut: Aus einer Cholesterin-Vorstufe entsteht mithilfe von UVB-Licht das Vor-Vitamin-D (Cholecalciferol).
  2. Leber: Dort wird es in die Speicherform umgewandelt, das 25-OH-Vitamin-D (Calcidiol). Das ist der Wert, der im Labor gemessen wird.
  3. Niere und andere Zellen: Hier entsteht die aktive Hormonform, das Calcitriol.

Warum gerade jetzt messen? Dein Ausgangswert nach dem Sommer

Der Herbst ist der ideale Zeitpunkt für eine Messung und das aus einem einfachen Grund. Genau jetzt liegt dein Spiegel in der Regel am höchsten. Du siehst, was dein Sommer „geschafft“ hat.

  • Ist der Wert schon jetzt niedrig, wird er bis Februar weiter sinken. Dann weißt du frühzeitig, dass du handeln solltest.
  • Ist der Wert gut, hast du einen Puffer und eine Vergleichsbasis für später.

Laborwerte schwanken übrigens nicht nur über den Tag, sondern auch zwischen Sommer und Winter. Wenn du deinen Verlauf im Blick behalten möchtest, vergleiche Werte am besten aus der gleichen Jahreszeit.

Welcher Wert gemessen wird und was er kostet

Gemessen wird das 25-OH-Vitamin-D (Calcidiol), also die Speicherform. Es spiegelt deine Versorgung der letzten Wochen wider. Die aktive Form (1,25-OH-Vitamin-D) ist für die Frage „Bin ich gut versorgt?“ nicht geeignet.

Auf deinem Befund kann der Wert in zwei Einheiten stehen:

Einheit Umrechnung
ng/ml × 2,5 = nmol/l
nmol/l ÷ 2,5 = ng/ml

Kasse oder selbst zahlen?

Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt den Test meist nur bei einem konkreten medizinischen Verdacht. Ansonsten zahlst du ihn als Selbstzahlerin in der Arztpraxis als IGeL-Leistung oder direkt im Labor. Mehr dazu findest du in diesem Beitrag.

Tipp: Wenn ohnehin Schilddrüsenwerte anstehen, kannst du Vitamin D bei derselben Blutabnahme mitbestimmen lassen.

Was dein Wert bedeutet

Leider sind die Empfehlungen und Referenzbereiche etwas unübersichtlich. Und das ist ehrlich gesagt einer der Gründe, warum so viele verunsichert sind:

  • Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht ab 20 ng/ml (50 nmol/l) eine ausreichende Versorgung.
  • Labore geben oft einen Referenzbereich von 30–100 ng/ml an.
  • In der funktionellen Medizin werden für Menschen mit Autoimmunerkrankungen teils höhere Zielwerte genannt, etwa 50–80 ng/ml.

Warum so unterschiedlich? Ein Referenzbereich bildet ab, was in der Bevölkerung „üblich“ ist. Und bei Vitamin D ist ein großer Teil der Menschen in Deutschland – gerade im Winter – unterversorgt. „Üblich“ heißt also nicht automatisch „gut“.

Welcher Zielwert für dich sinnvoll ist, hängt von deiner Situation ab. Das ist ein guter Punkt, um ihn gemeinsam mit deinem Arzt oder in der Apotheke zu besprechen.

Und dann? Erste Schritte, wenn dein Wert niedrig ist

Wenn dein Wert niedrig ist, ist die Versuchung groß, einfach das nächstbeste Präparat zu kaufen. Mein Tipp: Mach es dir einfacher und sicherer.

  1. Besprich deinen Wert, bevor die Dosis festgelegt wird. Der Bedarf ist sehr individuell, eine Dosis für alle gibt es nicht.
  2. Starte strukturiert: Form, Einnahme und Begleitnährstoffe spielen eine Rolle. Alles dazu im Beitrag Vitamin D Einnahme.
  3. Miss nach ca. 2-3 Monaten erneut. Nur so siehst du, ob deine Dosis wirklich zu dir passt.

Vitamin D raten ist wie bei der Schilddrüse raten. Daher zuerst messen, dann handeln.

Dein nächster Schritt

Halte deinen Herbstwert im Werte-Tagebuch fest. So siehst du im Frühjahr auf einen Blick, ob dein Vitamin D über den Winter stabil geblieben ist. Außerdem hast beim nächsten Arzttermin alle Werte sofort parat, statt alte Befunde zusammenzusuchen.

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Behandlung. 

Elena Terhaar

Hi, ich bin Elena und Apothekerin. Fragen zur Einnahme von Vitamin D gehören zu meinem Apothekenalltag. Hier bekommst du die Antworten, die ich auch am HV-Tisch geben würde.

Das könnte dir auch gefallen:

Cookie Consent mit Real Cookie Banner